20 Da er aber gefragt ward von den Pharisäern:
Wann kommt das Reich Gottes? antwortete er ihnen und sprach: Das Reich
Gottes kommt nicht mit äußerlichen Gebärden;
{Johannes.18,36} Jesus antwortete: Mein
Reich ist nicht von dieser Welt. Wäre mein Reich von dieser Welt, meine
Diener würden kämpfen, daß ich den Juden nicht überantwortet würde; aber
nun ist mein Reich nicht von dannen.
21 man wird auch nicht sagen: Siehe hier!
oder: da ist es! Denn sehet, das Reich Gottes ist inwendig in euch.
22 Er sprach aber zu den Jüngern: Es wird die Zeit kommen,
daß ihr werdet begehren zu sehen einen Tag des Menschensohnes, und
werdet ihn nicht sehen.
23 Und sie werden zu euch sagen: Siehe hier! siehe da!
Gehet nicht hin und folget auch nicht.
{Lukas.21,8} Er aber sprach: Sehet zu,
lasset euch nicht verführen. Denn viele werden kommen in meinem Namen
und sagen, ich sei es, und: "Die Zeit ist herbeigekommen". Folget ihnen
24 Denn wie der Blitz oben vom Himmel blitzt und leuchtet
über alles, was unter dem Himmel ist, also wird des Menschen Sohn an
seinem Tage sein.

Wann kommt das Reich Gottes? Wann
bricht Gottes Herrschaft an?
Die Antwort Jesu nimmt unsere ganz menschlichen Gedanken auf.
Wir suchen nach Zeichen, nach bestimmten Dingen, von denen aus wir dann
sagen können: seht, jetzt geht's anders weiter. Immer wieder gab es
Zeichen, in denen Menschen glaubten, dass die letzte Stunde geschlagen
hat, dass nun die Welt ihr Ende nimmt.
Wenn das Leben schwierig und unüberschaubar wird, wenn die
Fragen nach dem Warum immer größer werden, dann flüchten Menschen sich
in den Gedanken der Endzeit, dass Gottes Reich nun anbrechen möge.
Aber schon damals hat Jesus all diese Gedanken mit einem Satz zunichte
gemacht. Das Reich Gottes, die Herrschaft Gottes kommt nicht so, dass
man es beobachten kann; man wird auch nicht sagen: Siehe, hier ist es
oder da ist es! Denn siehe das Reich Gottes, die Herrschaft Gottes sie
ist mitten unter uns.
Gottes Herrschaft ist nicht mit den natürlichen Augen der Vernunft zu
sehen, sondern die Herrschaft Gottes ist nur für den Glauben sichtbar.
Das Reich Gottes ist mitten unter uns, aber eben
nicht so, dass es klar beschreibbar ist, sondern es ist etwas, was
eben mal aufleuchtet. So verstehe ich auch den Satz Jesu: Wie ein Blitz
aufleuchtet und leuchtet von einem Ende des Himmels zum anderen, so
wird der Menschensohn an seinem Tage sein.
Wir können im Grunde die Herrschaft Gottes immer wieder nur
aufblitzen sehen in unserem Leben. Wo dieser Blitz aufleuchtet, das
können wir nicht vorhersagen.
Gottes Herrschaft leuchtet an so vielen Stellen auf. Jeder
von uns kann es entdecken und jeder von uns kann mit dazu beitragen,
dass andere dies erfahren, davon etwas mitbekommen. Ich denke, das
einzige, was wir tun müssen, ist darauf zu vertrauen, dass das Wort
Jesu gilt: Gottes Reich ist mitten unter uns. Wir können darauf
vertrauen, was uns zugesagt ist: du stehst unter Gottes Herrschaft und
das ist keine Beziehung von Befehl und Gehorsam, sondern dies ist
eine Beziehung von Liebe, Zuwendung, Dankbarkeit und Vertrauen.
Vertrauen wir darauf, dass Gottes Herrschaft wirklich mitten
unter uns ist, vielleicht manchmal verdunkelt für unsere Augen, aber
für den Glauben oft genug hell und leuchtend sichtbar.
Amen
Hanns Hoffmann, November 2009

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